Viele Unternehmen starten ein KI-Projekt mit der falschen Frage: „Welches Tool können wir einsetzen?“ Die eigentliche Frage sollte lauten: „Wie funktioniert dieser Prozess heute tatsächlich?“
Denn die meisten Prozesse wirken in Dokumentationen strukturierter, als sie im Alltag sind.
Der dokumentierte Prozess ist selten der reale Ablauf
In der Realität gibt es:
- manuelle Zwischenschritte,
- Ausnahmen, die nur einzelne Mitarbeitende kennen,
- Datenbrüche zwischen ERP, CRM und Dokumentensystemen,
- Freigaben über E-Mail, Excel oder Zuruf sowie
- unterschiedliche Vorgehensweisen für denselben Fall.
Wird darauf KI gesetzt, entsteht keine echte Automatisierung. Es entsteht nur ein schnellerer Zugriff auf einen unklaren Prozess.
Die KI übernimmt dann nicht nur gewünschte Arbeitsschritte, sondern auch:
- unnötige Schleifen,
- widersprüchliche Regeln,
- fehlende Zuständigkeiten,
- schlechte Datenübergaben und
- historisch gewachsene Workarounds.
Das Kernproblem liegt selten im Modell
Es liegt darin, dass Unternehmen ihren Soll-Prozess kennen, aber nicht ihren realen Ablauf.
Bevor KI integriert wird, muss sichtbar werden:
- Wo beginnt und endet der Prozess?
- Welche Systeme und Datenquellen sind beteiligt?
- Wo entstehen Medienbrüche?
- Welche Entscheidungen folgen klaren Regeln?
- Welche Ausnahmen brauchen weiterhin menschliche Bewertung?
Erst dann lässt sich sinnvoll entscheiden, was automatisiert, integriert oder organisatorisch verändert werden muss.
KI kann einen Prozess beschleunigen. Sie kann aber nicht entscheiden, ob dieser Prozess sinnvoll aufgebaut ist.
Prozesse vor Tools
- Prozesse vor Tools.
- Integration vor Automatisierung.
- Umsetzung vor Theorie.
KI entfaltet ihren Wert nicht dort, wo sie möglichst schnell eingeführt wird, sondern dort, wo sie technisch sauber in einen verstandenen Geschäftsprozess integriert wird.
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